Chronik des Kirchenchores
von Frauenstein. è
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Die Geburtsstunde des Frauensteiner Kirchenchores schlug laut mündlicher Überlieferung -
so Otto Ott in seiner Chorchronik zum 125 jährigen Chorjubiläum des Kath. Kirchenchores Wiesbaden-Frauenstein, Cäcilienverein - am 18. Januar 1858 im Hause Schneider bei der Tauffeier des Sohnes Philipp. Eine Gruppe von jungen sangesfreudigen Männern beschloss damals die Gründung eines Kirchenchores. Ott nennt in seiner Chronik die Namen derjenigen Gründungsmitglieder, die uns mündlich überliefert wurden: Karl Demant, Philipp Demant, Johann Martin, Philipp Ott, Johann Bachmann, Wendelin v.d. Heidt und Johann Emmelheinz.
Erster Dirigent war Lehrer Franz Weigand, Präses des neu gegründeten Chores Pfarrer Johann Vetter.
Der Chor erfreute sich in der Folgezeit eines regen Zuspruchs. Um die Mitte der 70er Jahre war es eine stattliche Zahl von Männern (so die Ott-Chronik), die sich zweimal in der Woche zur Probe trafen. Ott berichtet auch, dass 1880 zum erstenmal der Chorname „Cäcilien-Verein“ erschien.
Der Frauensteiner Kirchenchor war in diesen Jahren ein Chor ohne Frauen. Das entsprach ganz den Vorstellungen des Cäcilianismus, einer Bewegung, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden war und bis ins 20. Jahrhundert reichte: Ihr Ideal und Vorbild von wahrer Kirchenmusik waren der Gregorianische Choral der alten Kirche und die mehrstimmigen Kompositionen der Palestrina-Zeit (um 1600).
Da der Kirchenchor
aber ein liturgisches Amt versieht – vergleichbar dem des Mönchschores im
Altarbereich - war die Mitwirkung von Frauen untersagt. Deutlich ausgesprochen
wird das im „Motu proprio“ Pius X. von 1903: „Frauen darf man zur Mitwirkung
in der [Choral-] schola oder im [mehrstimmigen] Chor nicht zulassen. Will man
Sopran- und Altstimmen verwenden, so haben nach uraltem Brauch der Kirche
Knaben diese Aufgabe zu erfüllen“. Es stand auch ganz ähnlich schon in der
„Instruktion des Bischöflichen Ordinariates zu Mainz“ von 1871: „Von großer
Wichtigkeit für den Kirchengesang ist die Bildung von Gesangschören.
Hauptsächlich empfehlen wir die aus Knaben und Männern bestehenden gemischten
Chöre. Wo sie aber nicht möglich sein sollten, erscheint es uns an den meisten
Orten rathsamer, sich mit Männerchören zu begnügen“.

Folgende Bestandsaufnahme der Frauensteiner Situation von 1880 findet sich im „Jahresbericht des Rheingauer Bezirks-Cäcilien-Vereins“ (durch den Bezirks-Präses Müller, Priester und Organist des Chorstiftes Kiedrich):
6) „Pfarrverein Frauenstein: Präses: Pfr.
Molzberger, Dirigent und Organist: Lehrer Schwed. Der Kirchenchor, bestehend aus 9 Sopran- (Knaben), 10 Alt-, 8 Tenor- und
6 Baßstimmen, besucht die wöchentlich zweimal stattfindenden Proben
regelmäßig und sehr eifrig. Repertorium: das Ordinarium missae; an Festtagen
werden die wechselnden Gesänge gesungen, an
Sonntagen recitirte Messen: Missa III. von Haller; Missa „S. Clara"
von Hamma; „Missa brevis“ von Molitor; „Stabat mater" von
Singenberger (in Vorbereitung). Vespern: die Oster-Vesper, 4 stimmig von Molitor;
alle übrigen einstimmig choraliter; für 4 stimmigen Männerchor: „Adoro
te", arrangirt von Ett; „0 esca viatorum" von Schubiger; „Pie
Pelicane" von Stöcklin; „Popule meus" von Palestrina; „Ave
maris" von Kothe; „Salve Regina“ von Röder; „Lauda Sion“
von Kothe; „Tantum ergo“ von Witt; „Justorum animae" von Löbmann.
Für gemischten Chor: „0 sacrum convivium", „Veni Sancte
Spiritus". Auch wurde das „Weihnachts-Oratorium“ von Müller
zweimal aufgeführt. — Die Orgel ist durchaus verstimmt; Mechanik teilweise arg
im Unstande; Abhilfe dringend nöthig“.
Otto Ott berichtet in seiner Chronik, dass „Streitigkeiten in den ersten Vereinsjahren es mit sich brachten, dass im Jahre 1883 der Chor nur noch aus sieben Männern bestand.“. Es sei jedoch bald wieder aufwärts gegangen und man habe außerdem zweimal den Versuch unternommen, ( trotz der entgegenstehenden offiziellen Bestimmungen ) einen gemischten Chor zu gründen. Beide Versuche – in den Jahren 1884 u. 1895 – endeten allerdings nach kurzer Zeit.
Der Verein zählte am Schluss der Jahres 1906 41 Mitglieder, hiervon 18 Aktive und 23 Inaktive. 1907 waren 23 Mitglieder beigetreten: 10 Aktive und 11 Inaktive (9 männlich und 2 weiblich).
Am 19. Juli 1908 wurde das 50 jährige Stiftungsfest begangen, mit einem Fackelzug aller Vereine am Vorabend, einem Festgottesdienst am Tag selbst, musikalisch gestaltet von einem „auswärtigen Verein“ und einer weltliche Feier am Nachmittag. - 1913 waren es noch 35 Mitglieder.
1914 mussten viele Männer zum Militär. Das hatte negative Folgen für den Chorbestand. Schließlich fanden von Mai 1919 an für ½ Jahr überhaupt keine Proben mehr statt, „weil sich – so das Protokollbuch - keine Sänger mehr dafür hergaben“.
In der Mitgliederversammlung vom 1. November 1919, bei der 30 Mitglieder anwesend waren, gab es deshalb nur einen Tagespunkt: „die Gründung eines gemischten Chores“.
Im Protokoll dieser Sitzung heißt es: „Da der Verein fast
ein halbes Jahr keine Gesangstunden mehr abhalten kann, weil sich keine Sänger
mehr dafür hergeben, konnte es so nicht weitergehen, und es musste nach anderen
Maßnahmen geschritten werden. Nach langer Diskussion wurde beschlossen, ein(en)
Gemischtenchor zu gründen. Es wurden 35 Mädchen ausgesucht, und eingeladen zur
nächsten Gesangstunde“.
Pfr. Josef Jeuck, der den Chor von 1918-1928 leitete, prüfte selbst das sängerische Geschick der Kandidatinnen (so Otto Ott in seinen Aufzeichnungen). 27 davon sind, wie das Protokollbuch ausweist, in den Kirchenchor eingetreten:
Es sind dies:
1) Schuck, Elisabeth – verheiratet mit Johann Bachmann, 2) Ott Lina – verh. mit Karl Klepper, 3) Emmelheinz, Mathilde, 4) Demant, Anna – verh. mit Adolf Becker, 5) Eckrich, Dina – verh. mit August Bouffier, 6) Alberts, Elisabeth – verh. mit Michel Becker, 7) Burkhardt, Eva, 8) Haubrich, Katharina –verh. mit Joseph Dahm, 9) Klepper, Katharina I, - verh. mit Philipp Ott 10) Demant, Lisa I – verh. mit Karl Haas, 11) Schneider, Anna – verh. mit Karl Schneider, 12) Schneider, Katharina, verh. mit Karl Klepper (Organist) 13) Klepper, Katharina II – verh. mit Joseph Kremer, 14) Müller, Frieda – verh. mit Jakob Schneider, 15) Eckrich, Lina – verh. mit Philipp Wagner, 16) Rappenecker, Gretha – verh. mit Willi Reinberger, 17) Haubrich, Eva – verh. mit Harry Kehr, 18) Müller, Karolina, 19) Martin, Anna – verh. mit Peter Bachmann, 20) Martin Elisabeth – verh. mit Heinrich Becker, 21) Burkhardt, Luise – verh. mit Lorenz Bott, 22) Klepper, Elisabeth – verh. mit Valentin Eckrich, 23) Demant, Karolina – verh. mit Peter Josef Unkelbach, 24) Burkhardt, Katharina – verh. mit Georg Unkelbach,
25) Schuck, Anna, 26) Demant, Lisa II – verh. mit Lorenz Gunkel, 27) Eckrich Gretha – verh. mit Johann Wagner, 28) Wöltert, Maria.
So gelang „beim dritten Versuch die Gründung des gemischten Chores“ (Ott-Chronik) und somit der Erhalt des Frauensteiner Kirchenchores!
In den nachfolgenden Jahren sang der Chor in den Feiertagsgottesdiensten – vor allem an Weihnachten, Ostern, Pfingsten - lateinische Messkompositionen von Palestrina („Missa brevis“), Orlando di Lasso („Missa quinti toni“), eine Messe von Franz Schubert und von Franz Josef Schütky, Motetten verschiedener Meister und zahlreiche deutsche Liedern: u.a. „Die Himmel rühmen“ von Beethoven, bei Trauungen „Treulich geführt“ von Richard Wagner, „Stille Nacht“, „Jehova“ und „Segen“ von Haller, „Es ist ein Ros entsprungen“, „Jungfrau, wir dich grüßen“ u.a.m.
Bei
den verschiedenen geselligen Treffen ( auch bei den benachbarten Chören ),
Familienfeiern und Tanzveranstaltungen wurden Volkslieder und weltliche Gesänge
vorgetragen: „Am Brunnen vor dem Tore“, das „Morgenlied“ von
Julius Rietz, „Der frohe Wandersmann“ von Mendelssohn Bartholdy,
Silchers „Wohin mit Freud“, „Rosenstock, Holderblüt“, „Nachtlager
von Granada“, „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein“ u.a..
Die beliebten Chorausflüge gingen mit dem Schiff bis nach Niederheimbach (Märchenhain) und zurück bis Niederwalluf, dann zu Fuß zurück nach Frauenstein (1939), nach Kloster
Eberbach, nach Amorbach und zum großen Feldberg etc.. -
Einen lebendigen Eindruck dieser Jahre vermittelt das „Protokollbuch“ mit den Berichten
über die verschiedenen Vorstandssitzungen und Generalversammlungen (1907 – 1948).
Mehrmals im Jahr
Theateraufführungen
In der Gesangstunde (16.11. 1913) wurde beschlossen, „wieder mal ein Theaterstück aufzuführen“. Die Leitung wurde Herrn Philipp Rühl übertragen. Er suchte auch das Stück aus. „Verloren und wiedergefunden“ und das Lustspiel: „Herodes als Bauer“,
- 1925: „Der Fluch der bösen Tat“ und das Lustspiel: „Stoffel als Detektiv“,
- 1929: „Weihnachtsfrieden“ und das Lustspiel „Tünnes kauft seiner Frau einen neuen Hut“, um nur einige Beispiele zu nennen.
Offensichtlich hat es beim Kirchenchor schon im Jahre 1900 ein „Passionsspiel gegeben
(Adam Reitz nennt in seiner hs. Chronik als Aufführungstermin den 1. Mai 1900). Ob dieses Passionsspiel in den Jahren danach wiederholt wurde, lässt sich nicht feststellen. -
Die „Dramatische Vereinigung Burglinde“ (Leitung: Karl Klepper IV und Franz Klepper) knüpft 1928 an diese alte Tradition an und erwähnt im Programmheft von 1931 ganz ausdrücklich „die bereits in der Jahrhundertwende von dem Kirchenchor (Cäcilien-Verein) gegebenen Passionsspiele in Wiesbaden-Frauenstein“.
Am 1. Mai 1928 wurde Herr Pfarrer Jeuck nach Assmannshausen versetzt. „Schwer fiel uns allen der Abschied, da doch die heutige Blüte des Vereins nur ihm allein zu verdanken ist“ (Protokollbuch S. 107).
Im selben Jahr übernahm Herr Wilhelm Beth, von 1919 - 1932 Lehrer in Frauenstein, die Leitung des Chores.
Es wurden Jahre einer intensiven Chorarbeit mit vielen Auftritten - auch bei den Nachbarvereinen (u.a. Oestrich, Hochheim, Neudorf > heute: Martinsthal). Im Protokoll der Jahreshauptversammlung (11.Januar 1929) heißt es dazu: „.Von verschiedenen älteren Mitgliedern werden die Sängerinnen und Sänger zum vollzähligen und pünktlichen Besuch der Gesangstunde aufgemuntert“.
Zum 75 jährigen Jubiläum am 9. Juli 1933 kamen die katholischen Kirchenchöre aus Wiesbaden, von Oestrich und von Wirges im Westerwald. Domkapellmeister Hans Pabst von Limburg referierte über „den echten Kirchengesang“.
Diözesanfest
der Kirchenchöre in Limburg
Zum „Diözesanfest der Cäcilienvereine“, am 15. September 1935, fuhr der Chor mit dem Omnibus nach Limburg/L und brachte in der Stadtkirche „Sanctus“ und „Benedictus“ aus der „Missa quinti toni“ von Orlando di Lasso zu Gehör. - Zu dieser Zeit gab es im Chor 118 aktive und inaktive Mitglieder.
Mit Ablauf des Jahres 1938 musste Wilhelm Beth aus „politischen Gründen“ sein Dirigenten-amt in Frauenstein niederlegen. Der Organist Karl Klepper wurde gebeten, die Leitung des Chores zu übernehmen. Am 9. Februar 1939 war die letzte Generalversammlung. Noch wusste niemand, „welche schicksalsvollen Jahre uns bevorstanden“. Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. 29 Männer aus dem Chor wurden eingezogen, 8 davon sind gefallen. Eine weitere Vereinsarbeit war in den Kriegsjahren nicht möglich.
Neubeginn
mit Herrn Hauptlehrer Beth
1945 kehrten dann viele Chormitglieder aus der Gefangenschaft zurück. Das Protokollbuch vermerkt: „Aus einem inneren Bedürfnis ... fanden sich wieder viele Vereinsmitglieder zusammen, um den Neuaufbau unseres Cäcilienvereins wieder ins Auge zu fassen. Dem Wunsch des gesamten aktiven Chors entsprechend wurde Herr Hauptlehrer Beth 1945 . . . als Dirigent unseres Chores wiedergewonnen. Am 30.11. 1945 fand . . . die erste Zusammenkunft . . . statt. Der Beweis für die Sangesfreudigkeit und die Begeisterung der Jugend war dadurch erbracht, dass außer dem alten Chor über 30 neue Sänger und Sängerinnen erschienen waren“.
Am 7.12. 1945 war die erste Gesangsstunde. Weihnachten 1945 sang man zum ersten Mal wieder – nach sechs-jähriger Zwangspause. Beth knüpfte in den darauffolgenden Jahren an die Vorkriegstradition an. - Da Herr Beth „vorübergehend (vom 3.5.1946 – 11.7. 1946) die Chorleitung nicht durchführen konnte“, übernahmen der Organist Karl Adolf Klepper und Anton Rappenecker die Vertretung. An Pfingsten dirigierte Herr Rappenecker, an Fronleichnam Herr Klepper. Vom 11.7. 1946 an übernahm Herr Beth wieder die Leitung.
Zum 90-jährigen Bestehen im Jahre 1948 gab es ein Dekanatssingen und danach ein Saalfest.- „Nachdem es möglich war, wieder neues Notenmaterial zu beziehen, gesellten sich zu den alten Meistern Werke von Karl Kraft, Hermann Schroeder und Franz Philipp“ (so Adam Reitz in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen).
Neubau
der Kirche
1953 erfolgte der Neubau der Kirche St. Georg und Katharina. Die Chormitglieder beteiligten sich nach Kräften am Ausheben der Baugrube. Am 20. Juni 1954 fand die Einweihung statt. Neben verschiedenen Liedern und Gesängen erklang das „Halleluja“ von Georg Friedrich Händel – mit Blasorchester (!). Die neugebaute Empore bot für den Chor den erforderlichen Platz.
Problematisch war allerdings der große räumliche Abstand zwischen der im Chorraum angebrachten „Schwalbennest-Orgel“ und den Sängern auf der Empore. Die Orgel stand außerdem, wie das im 18. Jahrhundert üblich war, > ½ Ton höher als die auf den Kammerton „a“ abgestimmten heutigen Instrumente. Für die gottesdienstliche Praxis bedeutete das: Man musste bei den Liedern und Chorstücken „höher“ singen als man es gewohnt war.
1958
feiert der Chor sein 100-jähriges Bestehen
Nach einem Festkommers am Vorabend, gemeinsam mit dem Männer-Gesangverein 1872 und dem Volkschor Liederkranz, fand am Sonntag, dem 11. Mai 1958 in der Pfarrkirche ein Pontifikalamt statt. Es zelebrierte Sr. Exz. Abt Petrus Karl Möhler O. Praem., Kloster Schönau. Der Chor sang u.a. die „Missa quinti toni“ von Orlando di Lasso, ein „Tantum ergo“ von Max Filke und das “Halleluja” von Georg Friedrich Händel.
Am Nachmittag war ein Dekanatssingen der Wiesbadener Kirchenchöre und dem Kirchenchor aus Niederwalluf.
In diesem Jahr gab Herr Hauptlehrer Beth sehr zum Bedauern des Chores seine Dirigententätigkeit in Frauenstein auf. Fast 30 Jahre hatte er in Frauenstein die kirchenmusikalischen Geschicke geleitet. Kurze Zeit danach endete sein Dienst an der Schule in Walluf, und er ging zurück in seinen Heimatort Rennerod (Westerwald).
Von 1958-1963 leitete Musiklehrer Diether Hofmacher den Chor.
Veränderungen
in der Chorpraxis nach dem Konzil
Eine neue, einschneidende Phase in der Geschichte der Messfeier begann mit dem Jahr 1963. Damals tagte in Rom das II. Vatikanische Konzil. 1963 wurde die „Liturgiekonstitution“ veröffentlicht. Für die Mitfeier des Gottesdienstes sagten diese neuen Bestimmungen vor allem: „Alle sollen aktiv an der gemeinsamen Feier teilnehmen“ („actuosa participatio“), „erlaubt“ ist der Gebrauch der Muttersprache, sowohl bei den Mess-Texten als auch beim Gesang.
Für den Frauensteiner Kirchenchor bedeutete das: Abschaffung der lateinischen Messen und Motetten, Hereinnahme deutschsprachiger Gesänge von Buxtehude („Alles, was ihr tut“), Schütz (u.a. die Einsetzungsworte), Bach (u.a. „Lobet Gott in seinen Reichen“), Händel (Teile aus dem „Messias“), Hessenberg („Ich will den Durstigen geben“), u.a..m..
Ein entscheidende Hilfestellung leistete Pfarrer Josef Erbach von Hattenheim. Er half bei der Überbrückung des „Dirigentennotstandes“ (so Otto Ott) und bei der Beschaffung neuer Noten, die den „nachkonziliaren Erfordernissen“ entsprachen. Kurz darauf übernahm Frau Helene Schmidt - ebenfalls aus Hattenheim - die Leitung des Chores und führte ihn bis 1976 (so die Chronik).
Zu erwähnen sind außerdem die Wiedergabe von Gottesdiensten im Hessischen Rundfunk und im Deutschlandfunk, Radio Bremen.
Bau
einer Orgel auf der Empore
Im Jahre 1971 wurde auf der Empore eine eigene Orgel aufgestellt. Sie hatte neun Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Bei Chorbegleitungen war jetzt der notwendige Kontakt zwischen Chor und Orgel gewährleistet. Ein Konzert am 19. Dezember 1971 veranschaulichte die verschiedenen musikalischen Möglichkeiten, die man dadurch dazu gewonnen hatte.
1976 musste Frau Schmitt aus gesundheitlichen Gründen das Dirigat abgeben.
Dirigenten des Chores nach 1976
Es folgten Heinz-Willi Grandjean (1976-1978)
und Winfried Geis (1978 / 79).
Besonders zu nennen ist hier das „Geistliche Konzert“ vom 28. Januar 1979 als Abschluss des im vorangegangenen Jahr gefeierten120 jährigen Jubiläums. Auf dem Programm standen Werke von Vulpius, Schütz, Bruckners „Locus iste“ und „Das neugeborne Kindelein“ von Dietrich Buxtehude. Die Wiesbadener Tageszeitungen berichteten darüber sehr positiv.
Am
1. Oktober 1979 übernahm Prof. Dr. Herbert Heine neben seiner
hauptamtlichen Lehrtätigkeit an
der Phil.-Theol. Hochschule St. Georgen und an der Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst in Frankfurt / Main. die Leitung des Frauensteiner Kirchenchores
und einen Teil des Organistendienstes.
Zur Rolle des
Chores im Gottesdienst
Der
Chor wird im heutigen Gottesdienst als „ein aktiver Teil“ der Gemeinde gesehen
(so das Konzil) und will durch seinen Gesang zu einer lebendigen Gestaltung der
Liturgie beitragen.
Wir
als Frauensteiner Kirchenchor haben uns immer wieder bemüht, diese Forderung in
die Praxis umzusetzen:
-
durch eine wechselweise Aufteilung der Liedstrophen bei den
Gemeindeliedern
(Gemeinde – Chor),
-
durch die Übernahme der Vorsängerteile,
-
durch Kanon-Singen,
-
durch das Einbringen von Jugendliedern aus dem
Buch „Unterwegs“, Taizé-Gesängen u.a.m.;
-
durch Chorkompositionen (Motetten, Kantatenteile), die die
Thematik des Gottesdienstes verdeutlichen und unterstreichen.
Eine neue
Konzeption von Orgel und Empore
Um
auf der Empore für Chor und Musiker mehr Platz zu gewinnen, verlagerte man 1983
die Orgel in den Turmbereich. Gleichzeitig wurden neun weitere Register
hinzugefügt (heutiger Bestand: 18 Register, verteilt auf zwei Manuale und
Pedal). Die variable Gestaltung der
Podien schuf zusätzliche „Entfaltungsmöglichkeiten“ für die Mitwirkenden. Von
den veranschlagten Gesamtkosten übernahm der Chor die Hälfte. –

Dieser Umbau war die Voraussetzung
für die jährlich
am 2. Weihnachtsfeiertag musizierten Orchestermessen von Haydn,
Mozart, Schubert.
Es gab außerdem
eine Reihe von Chorkonzerten, die die reichen Möglichkeiten der Kirchenmusik zum
Ausdruck brachten, so z.B.:
- 1983/91: G.F. Händel, „Dettinger Te Deum“,
-
1988:
W.A. Mozart, “Missa brevis in F-Dur" u. Chr. Graupner, “Magnificat“
- 1998: G. Ph. Telemann, „Magnificat in C“, F. Mendelssohn Bartholdi; „Hör’ mein Bitten“ und „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, Joseph Haydn, „Te Deum“
Zum Schluss eine
Besonderheit in der Tradition des Frauensteiner Kirchenchores
Die Familie von Hatzfeldt ist seit vielen Jahrzehnten „dem
Cäcilien-Verein in besonderer Weise verbunden“ (so Gräfin Barbara von Meran
Hatzfeldt anlässlich des 125 jährigen Jubiläums im Jahre 1983). Aus diesem
Grunde hatte die Gräfin Helene von Hatzfeldt bereits beim 25 jährigen Jubiläum
des Vereins im Jahre 1883 als Schirmherrin einen „Taktstock“ gestiftet
(Nachgravur 1898). Dieser
Taktstock wird bis heute von Dirigent zu Dirigent weitergegeben.
im Februar 2008
Herbert Heine